Meinung

Der Heimatschutz und sein Leitbild - eine Selbstbetrachtung

Eigentlich habe ich Leitbilder noch nie gemocht. Die darin formulierten Absichten der jeweiligen Firmen, Vereine oder gar politischen Institutionen sind entweder selbstredend, für jeden normaldenkenden sonnenklar oder aber – meist zur selbst Beweihräucherung vorgenannter – an den Haaren herbeigezogen. Es liegt eben gerade in der Natur eines Leitbildes, dass es sich selbst überlebt nach dem es den Schlaf der Harmlosigkeit in der Schublade vollbrachte. Gut dagegen ist, dass man beim Nachdenken über das Leitbild den Sinn der gesamten Vereinstätigkeit hinterfragt, also quasi als Vereinsmitglied in sich geht.

Nach diesen Worten werden Sie sich fragen, wieso der Glarner Heimatschutz ein neues Leitbild entworfen hat. Der Grund liegt, wie so häufig, im Wandel der Zeit und der Gesellschaft.  Nicht eigentlich der Heimatschutz selbst ist der Grund für die Notwendigkeit, ein neues Leitbild zu formulieren, sondern die Umstände. Während man früher miteinander geredet hatte, wird heute kommuniziert. Dies hat zur Folge, dass der Form der Unterhaltung mehr Bedeutung zugemessen wird als dem Inhalt. Früher wurde nachweislich in der Primarschule jedes einzelne Dorf des Kantons mit seinen Wappen, der geographischen Lage und seiner Besonderheiten durchgenommen. Heute hat die Schule hierfür keine Zeit mehr, den wichtigeres steht an. Wie ich von meinen eigenen Kindern weiss, wird im Unterricht bereits in der Primarschule das Erstellen von Power Point Präsentationen geübt und das Vortragen derselben. Das mag zwar sinnvoll sein - aber eben, die Form wird zwar beübt, der Inhalt bleibt jedoch auf der Strecke. Nicht nur die Schule, die selbst ein Spiegel der Gesellschaft ist, auch die Verbundenheit mit dem Dorf an sich hat sich gewandelt. Aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeit wird viel häufiger als früher der Wohnort gewechselt. Oder aber es sinkt durch einen langen Arbeitsweg der Bezug zum Wohnort, wo man sich bald nur noch schlafend aufhält. Durch Gemeindefusionen entstehen politisch zwar meinetwegen sinnvolle, aber doch letztlich beliebige Verwaltungseinheiten, die mit dem alten Dorfkern nicht mehr viel gemeinsam haben. So ist es verständlich, dass im neuen Leitbild des Glarner Heimatschutzes bei den zentralen Aufgaben an erster Stelle nun die «Vermittlung» aufgeführt wurde, es soll ein «lebendiges Bewusstsein für bauliches Kulturerbe im Glarnerland» entstehen. Das ist viel verlangt.

Früher hatte man nicht Leitbilder, sondern Leitfiguren. Es genügten damals markige Worte von Obmännern. Seit Hans Leuzingers legendärem Heimatschutzbüchlein von 1952 und dem prägnanten Bericht Jakob Zweifels im Neujahrsboten des Glarner Hinterlandes von 1978 zieht sich wie ein roter Faden das Bekenntnis fort, das gute Alte zu erhalten, gleichwohl aber das gute Neue zu fördern. Dieser Absicht gesellt sich nun im neuen Leitbild der Wille zum Vermitteln hinzu, sei es am Bau selbst oder aber grundsätzlich und vor allem auch gegenüber der Jugend. Schweizweit galt die Glarner Sektion des Heimatschutzes immer als unorthodox und zukunftsorientiert. Und so ist auch das neue Leitbild zu sehen. Es ist wie der Glarner Heimatschutz selbst, traditionell und progressiv zugleich.  

Die Vision im Leitbild geht noch einen Schritt weiter und postuliert, dass durch die Entstehung dieses Bewusstseins, welches sich dann wohl von Generation zu Generation fortpflanzen müsste, der Glarner Heimatschutz hinfällig würde. Das ist noch viel mehr verlangt. Helmut Schmidt hat bezüglich Visionen gesagt, wer solche habe, müsse zum Arzt gehen.

Ein immerwährendes und sich selbst erhaltenden Verständnis für eine hohe Baukultur in der Gesellschaft wird ein Traum bleiben. Jedoch verändert sich die Vorgehensweise, um die zugegebenermassen hoch gesteckten Ziele zu erreichen. Im stetigen Dialog soll das Bewusstsein für eine hohe Baukultur gefördert werden. Der Mensch fühlt sich wohler im «Schönen», mehr Leute besuchen die Innenstadt von Siena als die Magadino-Ebene. Es ist dementsprechend wichtig, dieses baukulturelle Erbe zu erkennen und dafür Sorge zu tragen.

Bereits seit 15 Jahren bin ich im Vorstand des Glarner Heimatschutzes tätig und ich spüre nun den frischen Wind, der im jugendlichen Vorstand weht – ein gutes Zeichen für die Umsetzung des neuen Leitbildes.

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Renato Kamm ist Vorstandsmitglied des Glarner Heimatschutzes.

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Artikel

Der Heimatschutz und sein Leitbild – eine Selbstbetrachtung
Erschienen am 20. Mai 2022 in «Die Südostschweiz»